Rund ums Fahrzeug

Winterreifen: Alpine-Symbol wird Pflicht

Alpine Symbol auf einem Reifen
Das Alpine-Symbol für Winterreifen ist jetzt Standard© ADAC

Ab dem 1. Oktober 2024 werden nur noch Reifen als Winterreifen anerkannt, die das "Alpine-Symbol" tragen. Es besteht aus einer Schneeflocke und einem Berg. Das gilt auch für Ganzjahresreifen. Ab diesem Datum dürfen bei winterlichen Straßenbedingungen keine Reifen mehr gefahren werden, die lediglich eine "M+S"-Kennzeichnung tragen.

 

Strafen bei Nichteinhaltung der neuen Regel

Werden Reifen mit ausschließlich M+S-Kennzeichnung weiterhin gefahren, drohen Strafen. Laut Bußgeldkatalog beträgt die Strafe 60 Euro und ein Punkt in Flensburg, wenn man im Winter mit nicht angepasster Bereifung fährt. Bei einem Unfall mit falscher Bereifung können die Kosten noch deutlich höher ausfallen.

Montage der Winterreifen
Autofahrer sollten bei ihren Winterreifen ab 2024 genau hinschauen - ein empfindliches Bußgeld droht. (Symbolfoto) © Daniel Naupold / dpa

 

Winterreifenpflicht: Wann Sie in Deutschland Reifen wechseln müssen

 

Wann muss ich Winterreifen aufziehen? Welches Bußgeld droht, wenn ich es nicht tue? Was gilt für Ganzjahresreifen? Hier die wichtigsten Fragen zur Winterreifenpflicht in Deutschland.

  • In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht

  • Motorräder sind davon ausgenommen

  • 1,6 mm Restprofil sind vorgeschrieben, 4 mm empfehlenswert

In welchem Zeitraum gilt die Winterreifenpflicht?

Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland nicht, stattdessen eine situative (§ 2 (3a) StVO). Das heißt, dass man bei winterlichen Straßenverhältnissen, also bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte, nur mit Winterreifen fahren darf. Die Faustformel von Oktober bis Ostern (O bis O) ist ein grober Hinweis, hat rechtlich jedoch keine Relevanz.

Die situative Winterreifenpflicht gilt dann als erfüllt, wenn auf allen Radpositionen, also auf allen vier Rädern, Winterreifen montiert sind.

Woran erkenne ich einen Winterreifen?

Die Abkürzung M+S steht für Matsch und Schnee© ADAC

Aktuelle Winterreifen erkennt man am Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Zusätzlich gelten bis zum 30. September 2024 Reifen mit M+S Kennzeichnung als wintertauglich, wenn sie bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt worden sind.

Welches Bußgeld droht ohne Winterreifen?

Der Verstoß wird für den Fahrer mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro geahndet, werden andere behindert 80 Euro. Außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg. Dem Halter drohen 75 Euro und ebenfalls ein Punkt.

Gibt es Ausnahmen von der Winterreifenpflicht?

Die Winterreifenpflicht gilt unter anderem für folgende Fahrzeuge nicht:

  • einspurige Kraftfahrzeuge (zum Beispiel Motorräder)

  • Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft

  • motorisierte Krankenfahrstühle im Sinne des § 2 Nummer 13 FZV

Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen ein Fahrzeug, für das diese Ausnahme gilt, mit Sommerreifen fahren will, muss über alle allgemein gültigen Verpflichtungen hinaus eine Reihe von Regeln einhalten. Dazu gehört es auch, vor jeder Abfahrt zu prüfen, ob es erforderlich ist, die geplante Fahrt durchzuführen, da das Ziel mit alternativen Verkehrsmitteln nicht erreichbar ist. Zudem darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden.

Wie viel Profil müssen Winterreifen mindestens haben?

Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt auch für Winterreifen 1,6 Millimeter. Der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen jedoch mindestens vier Millimeter. Ebenso einen Austausch nach spätestens sechs Jahren, weil dann die Gummimischung so hart geworden ist, dass der "Grip" bei tiefen Temperaturen nachlässt.

Reichen Ganzjahresreifen auch im Winter aus?

Ganzjahresreifen sind im rechtlichen Sinn Winterreifen, wenn sie das "Alpine"-Symbol oder die M+S-Kennzeichnung (in der oben genannten Übergangsfrist) haben. Ist keine der beiden Kennzeichnungen vorhanden, handelt es sich nicht um einen Ganzjahres- sondern um einen Sommerreifen.

Was ist, wenn ich mit Sommerreifen im Winter einen Unfall habe?

Dann können bei einem Unfall wegen grober Fahrlässigkeit Leistungen in der Kaskoversicherung gekürzt werden. Auch kann es bei einem unverschuldeten Unfall mit der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung Probleme geben, weil Sie sich, je nach Einzelfall, ein Mitverschulden anrechnen lassen müssen.

Sind für Mietwagen Winterreifen vorgeschrieben?

Autovermietungen sind verpflichtet, ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, das verkehrssicher und fahrbereit ist. Das ist nicht der Fall, wenn sie bei winterlichen Straßenverhältnissen ein Fahrzeug mit Sommerreifen vermieten. Ansonsten kann der Mieter die Übernahme des Fahrzeugs verweigern.

Auch dem Autovermieter als Halter droht ein Bußgeld, wenn er bei winterlichen Verhältnissen ein Fahrzeug ohne Winterreifen übergibt. Häufig verlangen die Autovermieter für Winterreifen ein zusätzliches Entgelt.

Darf ich Winterreifen auch im Sommer fahren?

Weil der Gesetzgeber das Fahren mit Winterreifen im Sommer nicht ausdrücklich verbietet, dürfen diese grundsätzlich auch im Sommer weitergefahren werden. Dass dies im Sinne der Sicherheit aber alles andere als sinnvoll ist, sehen Sie hier: Winterreifen im Sommer

Was gilt bei einer Reifenpanne?

Wer nach einer Panne den Autoreifen wechselt und nur einen Sommerreifen dabei hat, muss keine Strafe befürchten. Mit diesem Notbehelf darf die Fahrt zunächst vorsichtig fortgesetzt werden; bei nächster Gelegenheit muss aber ein Winterreifen montiert werden.

Winterreifenpflicht im Ausland: Was muss ich beachten?

In anderen Ländern gelten andere Regeln für die Benutzung von Winterreifen und Schneeketten. Was in Österreich, der Schweiz, Italien (Südtirol) und weiteren europäischen Ländern vorgeschrieben ist, sollten Sie vor der Reise in das jeweilige Land abklären. Die genauen Winterreifen-Vorschriften im Ausland finden Sie hier: Winterreifen im Ausland

Empfehlung des ADAC

  • Montieren Sie in der kalten Jahreszeit grundsätzlich Reifen mit dem Kürzel "M+S" (dabei auf die oben genannte Übergangsfrist achten) bzw. dem "Alpine"-Symbol, nicht nur wegen der situativen Winterreifenverordnung. Vorrangig geht es um Ihre eigene Sicherheit und die der Mitfahrenden. Bedenken Sie auch: Die Folgen eines kleinen "Ausrutschers" können ein Vielfaches eines Winterreifensatzes kosten.

  • Nur wer bei entsprechenden Wetterverhältnissen grundsätzlich auf sein Auto verzichten kann, muss sich auch weiterhin über das Thema keine Gedanken machen bzw. keinen zweiten Reifensatz anschaffen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch in klassischen winterarmen Regionen das Wetter unverhofft umschlagen kann.

  • Orientieren Sie sich beim Reifenkauf an den ADAC Testergebnissen. Nicht jeder Winter- oder Ganzjahresreifen ist gleichermaßen für alle Einsatzbedingungen geeignet.

 

 

AllwetterreifenWer 2024 seine Ganzjahresreifen austauschen muss

Keine lästigen halbjährlichen Reifenwechsel und geringere Kosten: Ganzjahresreifen haben Vorteile, bei der Sicherheit punkten sie weniger. Wer sollte sich für Allwetterreifen entscheiden? 2024 gelten neue gesetzliche Regeln für diese Art der Reifen.

Stand: 18.09.2024 |Bildnachweis

Winterreifenpflicht und Allwetterreifen - neue Regelung 2024

In Deutschland besteht eine "situative Winterreifenpflicht": Wenn "Glatteis, Schneeglätte, Eis- und Reifglätte" (Straßenverkehrsordnung, § 2 Absatz 3 a) herrschen, darf man seinen Pkw nur mit wintertauglichen Reifen fahren. Wer mit Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen erwischt wird, zahlt. Dann sind nicht nur 60 Euro Bußgeld fällig, sondern es gibt auch noch einen Punkt in Flensburg.

Das Schneeflockensymbol ab Oktober 2024

 
Mann wechselt Autoreifen | Bild: mauritius images / Westend61 / Robijn Page

Es sind bald nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol (der Berg mit der Schneeflocke darin) für winterliche Straßenverhältnisse zugelassen. Das gilt sowohl für Allwetterreifen als auch für normale Winterreifen. Das Symbol beweist, dass der Reifen nach einem weltweit anerkannten Testverfahren auf Schnee geprüft wurde. Eine M+S-Auszeichnung allein reicht also nicht mehr. Bis zum 30.9.2024 gelten Allwetterreifen, die ein M+S-Symbol tragen und bis zum 31.12.2017 hergestellt worden sind, noch als "wintertauglich". Ab 1.10. 2024 dürfen Pkw mit Bereifung, die nur das M+S-Symbol trägt, bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr gefahren werden.

Das sind die Vorteile von Allwetterreifen

Das lästige Reifenwechseln im Herbst und Frühling entfällt, wenn man sich für Allwetter- oder Ganzjahresreifen entscheidet. Es fallen weder Werkstatt- noch Lagerkosten an. Außerdem spart man sich Anschaffungskosten von einigen hundert Euro für einen Satz Winterreifen.

Das sind die Nachteile von Allwetterreifen

Allwetterreifen fallen in Tests zwar mit längeren Bremswegen sowie mit geringerer Fahrstabilität und höherem Geräuschpegel auf. Ganzjahresreifen können aber mittlerweile - so das Ergebnis eines ADAC-Tests aus dem Juli 2024 - gut mithalten.

Für wen lohnen sich Allwetterreifen?

Für alle, die bei Schnee- und Eisglätte ihr Auto sicher stehen lassen und für den Weg zur Arbeit auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können, wären Allwetterreifen geeignet. Wohne ich in einer Gegend, in der wenig Schnee fällt, und fahre mit meinem Kleinwagen meistens in der Stadt, können Ganzjahresreifen eine preisgünstige Wahl sein. Wenigfahrer sind bei diesen Voraussetzungen mit Allwetterreifen gut bedient.

Wer als Pendlerin oder Pendler bei jedem Wetter fahren muss und das auch auf Strecken, die oft verschneit oder glatt sind, ist mit Spezialreifen - also Winter- und Sommerreifen - am sichersten unterwegs.

Wie alt dürfen Autoreifen sein?

Gesetzliche Vorschriften, ab welchem Alter ein Reifen zu alt ist und ausgetauscht werden muss, gibt es keine. Aber Expertinnen und Experten raten, die 4x3x6-Regel zu beachten: vier gleiche Reifen, nicht weniger als 3 Millimeter Profil und nicht älter als sechs Jahre. Laut ADAC sollten Reifen, die acht Jahre und älter sind, ausgetauscht werden, denn der Gummi wird nach dieser Zeit hart und spröde und damit zum Sicherheitsrisiko. Alte Reifen greifen auf nassen Straßen viel schlechter, so ein Test des ÖAMTC (Österreichischer Automobil-, Mottorrad- und Touringclub).

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat erklärt, warum gute Autoreifen so wichtig sind:

"Die Aufstandsfläche aller vier Reifen ist kaum größer als die eines Mannes mit Schuhgröße 44. Allerdings müssen die Reifen ein Gewicht von etwa 1,5 Tonnen schnell zum Stehen bringen. Damit ist die richtige Bereifung ein wichtiger Sicherheitsfaktor im Straßenverkehr."

Deutscher Verkehrssicherheitsrat